DRESSUREN DER DURCHLÄSSIGKEIT | Nina Lucia Gross | Ausstellungspreis für junge Kurator*innen

17. Juni bis 18. Juli 2020 | Galerie des Jenaer Kunstvereins im Stadtspeicher Jena

Anlässlich seines 30jährigen Gründungsjubiläums hat der Jenaer Kunstverein einen Ausstellungspreis für junge Kurator*innen ins Leben gerufen. Erste Preisträgerin des bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs ist die junge Hamburger Kuratorin Nina Lucia Groß. In der von ihr konzipierten Ausstellung „Dressuren der Durchlässigkeit“ mit Werken von fünf Künstlerinnen werden ökonomische, politische, soziale und auch emotionale Phänomene unserer Gesellschaft anhand der widersprüchlichen Beziehung von Mensch und Pferd offengelegt und analysiert.

Zur Ausstellung
Urlaub am auf dem Reiterhof. Wendy-Abo. Pferdemotive auf der Federtasche. Abenteuerliche Traumwelten sind es, meist spezifisch für Mädchen kreiert, die sich um das Pferd drehen. In einer entfremdeten Gesellschaft ist das vermeintlich so freie und wilde Tier willkommene Identifikationsfigur nicht nur für pubertäre Jugendliche. Doch es sind seltsam verklärte Vorstellungen, die von unserem tatsächlichen Umgang mit dem Tier, von Dressur und Zucht und Leistungsdruck, weit entfernt sind. Die Ausstellung will nun diese widersprüchliche Beziehung als Metapher für unser gesellschaftliches Zusammenleben überhaupt verstehen und damit Fragen nach Autorität und Dominanz, Sorge und Pflege, körperlicher und emotionaler Abhängigkeit, Objektifizierung und Eskapismus aufwerfen – sowie deren gender- und klassenspezifischen Marker untersuchen. In einem neu entflammten Klima der politischen wie sprachlichen Abgrenzung und Gewaltbereitschaft wollen wir also den Blick auf solidarische Allianzen richten. Wie wollen wir füreinander sorgen? Wie wichtig sind Traumwelten? Und – kann die Welt wirklich nur durch Pferde gerettet werden?

Die Ausstellung wurde konzipiert und kuratiert von Nina Lucia Groß und zeigt Arbeiten von Sarah Drath, Mona Hermann, Jenny Schäfer, Wiebke Schwarzhans und Anna Stüdeli.

Zum Preis
Mit der Initiierung des Ausstellungspreises möchte der Jenaer Kunstverein die in den vergangenen Jahren gewachsene Bedeutung der kuratorischen Praxis honorieren und insbesondere jungen Nachwuchstalenten bis zum Alter von 35 Jahren eine Chance für die Umsetzung einer Projektidee gegeben.

Der 1. Ausstellungspreis 2020 wurde in der zweiten Jahreshälfte 2019 bundesweit ausgelobt. Die Preisträger*innen wurden in einem zweistufigen, anonymisierten Verfahren bestimmt. Der Jury gehörten neben drei Vertreter*innen des Jenaer Kunstvereins (Conny Dietrich, Michaela Mai, Dr. Markus Pasche) der Künstler/Kurator Benjamin Appel (Leipzig), die Künstlerin Prof. em. Liz Bachhuber (Weimar), die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Fritz (Friedrich-Schiller-Universität Jena) sowie der Kunsthistoriker Prof. Dr. Benjamin Meyer-Krahmer (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) an.

Preisträger*innen 2020
1. Preis (1.000 Euro) Nina Lucia Groß (Hamburg)
2. Preis (700 Euro) Lisa Alice Klosterkötter (Köln)
3. Preis (300 Euro) Lorenzo Graf

Bereits kurz nach seiner Gründung im Jahr 1990 war der Jenaer Kunstverein maßgebend an der Initiierung des heutigen Botho-Graef-Kunstpreises der Stadt Jena beteiligt, der inzwischen alle drei Jahre vergeben wird. Der Jenaer Ausstellungspreis für junge Kurator*innen ist ebenfalls als dauerhaftes Projekt konzipiert und soll in den kommenden Jahren etabliert werden. Für die Begründung des Preises hat der Jenaer Kunstverein zunächst für 2020 eine Anschubfinanzierung aus Mitteln der Innovationsförderung Kunst und Kultur der Stadt Jena erhalten. Ab 2021 sollen dann sukzessive Jenaer Wirtschaftsunternehmen als Sponsoren gewonnen werden.

Videos zur Ausstellung

Vorstellung des 1. Jenaer Ausstellungspreises für junge Kurator*innen durch Initiatorin Conny Dietrich

 

Einführung in die Ausstellung durch die Kuratorin Nina Lucia Gross

 

Wiebke Schwarzhans – Break a Horse, Break Some Legs

 

Sarah Draht und Mona Hermann – Trilogie der Einsamkeit

 

Jenny Schäfer – World can only be saved by horses

 

Anna Stüdeli – Pearl, Ash, Iron, Fudge & Sugar

 

Vorstellung des Ausstellungsheftes

Magazin zur Ausstellung
Begleitend und ergänzend zur Ausstellung erscheint ein Magazin mit Beiträgen von Conny Dietrich, Thomas Elsen, Nina Lucia Groß und Hannah Schlüter. Das Layout des Heftes orientiert sich an der Copy-&-Paste-Ästhetik von Zines, ergänzt durch die Ästhetik der Konsum- und Medienwelt rund um das Topos „Pferdemädchen“. Das von der Grafikerin und Künstlerin Natalia Sidor in Zusammenarbeit mit dem Grafiker Sebastian Kokus gestaltete und illustrierte Heft wird in der Ausstellung kostenlos abgegeben und kann gegen eine Versandgebühr von 5 Euro verschickt werden.

→Hier finden Sie die digitale Version des Ausstellungsheftes.


Besichtigung der Ausstellung

Laufzeit der Ausstellung
17. Juni – 18. Juli 2020

Die Ausstellung kann unter Beachtung der aktuell gängigen Hygienemaßnahmen zu den gewohnten Öffnungszeiten des Jenaer Kunstvereins sowie auf Nachfrage besichtigt werden.
Mi, Fr, Sa 12–16 Uhr
Do 12–19 Uhr