Die Ausstellung im Frommannschen Anwesen ist geöffnet: Montag-Freitag 8-20 Uhr.

Die Ausstellung in der Galerie im Stadtspeicher ist geöffnet:
Mittwoch, Freitag, Samstag 12 – 16 Uhr
Donnerstag 12 – 19 Uhr

Ausstellung verlängert bis 31.07.2021.

Kunst im Außenraum – das ist auch im zweiten Jahr mit Corona bedingten Einschränkungen eine gern gesehene Abwechslung. Der FrommannscheSkulpturenGarten 2021 stellt unter dem Titel Hohlkehle Werke der Bildhauerin Agnes Lammert aus. Ihre in Falten gelegten, ausgehöhlten oder eingehüllt wirkenden Plastiken können im Frommannschen Anwesen unter freiem Himmel entdeckt werden. Zusätzlich zur Außenausstellung zeigt der Jenaer Kunstverein e.V. weitere Werke von Lammert in der Galerie im Stadtspeicher. 

Hohlkehle

Die Ausstellung wird unter einem vieldeutigen Titel präsentiert: Die Hohlkehle ist so manchem als Fachbegriff aus der Architektur und Steinbearbeitung, der Fotografie oder aber auch der Geologie geläufig. Der Titel kann sowohl eine handwerkliche Bearbeitung als auch eine natürliche Beeinflussung und Veränderung von Material beschreiben und hat dabei eines gemeinsam: Er verweist auf eine Aushöhlung oder Ausrundung. Ohne das fachliche Hintergrundwissen wirkt er wie ein frei erfundenes Wort. Die Verbindung der Begriffe „hohl“ und „Kehle“ ruft räumliche Vorstellungen und eine direkte körperliche Assoziation hervor.

Agnes Lammert zum Titel der Ausstellung und über ihre künstlerischen Gestaltungsprinzipien.

Agnes Lammert gestaltet ihre Skulpturen, indem sie Modelle anfertigt und deren Negativräume mit vielfältigen Materialien wie Wachs, Gips, Beton, Silikon und anderen Kunststoffen sowie Bronze ausgießt. Freischwingend hängend, schwebend oder aufgesockelt werden die Werke auf spannungsreiche Art und Weise in den jeweiligen Umraum gesetzt.

Lammerts Skulpturen entziehen sich auf den ersten Blick einer konkreten Bestimmung: Ihre Gebilde scheinen von Stoff verdeckt zu sein. In Falten gelegt, straffgezogen und an anderer Stelle wieder geknautscht wird die vermeintliche Hülle jedoch zur Protagonistin und verselbstständigt sich zur autonomen Form. Eine sich abzeichnende Bewegung und die daraus entstehende Ahnung einer verborgenen Masse zeugen von Agnes Lammerts Beschäftigung mit dem teils widerstreitenden Verhältnis von Außen- und Innenraum. Ihre neueren Werke verlagern die Aufmerksamkeit auf den Innenraum und kreisen mit forschender Neugier um das Thema der Höhle.

Innen und Außen

Umgestülpte und invertierte Formen finden sich sowohl in Lammerts Werken als auch in ihrem Arbeitsprozess wieder: Im Gussverfahren werden Negative von Modellen abgenommen, aus denen schließlich wieder Werke in Positivform entstehen können. Lammerts Blick in den Hohlraum gründet nicht nur auf diesem Phänomen ihrer Arbeitsweise, sondern auch auf der kulturgeschichtlichen Bedeutung und der assoziativen Aufladung der Höhle. Die künstlerische Annäherung an organische Form und Leiblichkeit, die schon in den Faltenstrukturen zum Tragen kommt, setzt sich hier konsequent fort. 

Agnes Lammert: hoist that rag, 165 × 60 × 70 cm, Gips, Stahl, Seil, 2018, Foto: Wolfgang Grau / JKV
Agnes Lammert im Gespräch mit Kuratorin Judit Rönsch über die Skulptur Hoist that rag / Hisst den Lumpen

Im Frommannschen Anwesen stoßen die BesucherInnen als erstes auf die im Torbogen hängende Skulptur Hoist that rag („Hisst den Lumpen“). Dieser „Lumpen“ verkündet als gehisste Fahne den Beginn einer kleinen Entdeckungsreise durch den Garten. An einer langen filigranen Stange schwebt Kaze über dem Innenhof und scheint der Schwerkraft zu trotzen. Der Kosmos einer miniaturhaften Höhle kann im hinteren Teil des Gartens erschlossen werden, während sich die Skulptur Mud („Schlamm“) in ungleich größeren Dimensionen schwerfällig aus dem Boden zu erheben scheint.

Agnes Lammert: Mud, 110 × 270 × 100 cm, Beton, 2016, Foto: Wolfgang Grau / JKV
Aufbau der Skulptur Mud im Frommannschen Garten

Die Künstlerin

Agnes Lammert ist Bildhauerin und Malerin. Sie wurde 1984 in Dresden geboren und lebt und arbeitet in Leipzig. Als Meisterschülerin der Burg Giebichenstein in Halle geht sie einem Lehrauftrag an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig nach und präsentierte in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen ihre Werke. 

Foto: Wolfgang Grau / JKV


Der FrommannscheSkulpturenGarten 2021 wird von der Kunsthistorikerin Judit Rönsch kuratiert.


Premiere: Erstmalig präsentiert Agnes Lammert Skulpturen im Außenraum.

Begleitheft zur Ausstellung

Herausgegeben von Carina Bergmann und Ulrike Lade.
Mit Texten Studierender der Kunstgeschichte an der Friedrich Schiller Universität Jena.

Fotografische Eindrücke der Ausstellungen im Frommannschen Anwesen und in der Galerie im Stadtspeicher


Öffnungszeiten

2. Juni – 18. Juli, verlängert bis 31. Juli

Frommannscher Garten:
Fürstengraben 18, 07743 Jena
Mo – Fr: 8 – 20 Uhr (Eintritt frei)

Galerie im Stadtspeicher:
Geöffnet ab 09.06.2021

Mittwoch, Freitag, Samstag
12 – 16 Uhr

Donnerstag
12 – 19 Uhr


Der FrommannscheSkulpturenGarten ist ein seit 2012 jährlich im Frühsommer stattfindendes Kooperationsprojekt des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Jenaer Kunstvereins e.V und des Kunsthofs Jena e.V.


Gefördert wird die Ausstellung in freundlicher Unterstützung von: 

Thüringer Finanzministerium, Kulturstiftung Thüringen, Sparkassenversicherung Hessen-Thüringen, JenaKultur, Ortsteilrat Jena Zentrum