Jahresprogramm 2025

Im Jahr 2025 widmete sich der Jenaer Kunstverein dem Thema Habitate & Reservate. In vier Ausstellungen, zwei Zwischenspielen – einer Artist Residency und einer Pop-Up-Ausstellung, sowie diversen Veranstaltungen beleuchten wir Fragen nach Lebensräumen und Schutzzonen.

Im Laufe der Zeit haben sich Habitate für Menschen, Tiere und Pflanzen herausgebildet, die als natürlich empfunden werden. An das Paradox, dass Menschen sich zur Natur als Ort der Entschleunigung und Erholung hingezogen fühlen, während sie sich in ihrem täglichen Handeln zunehmend von ihr entfernen und Raum nehmen, scheinen wir uns gewöhnt zu haben. So stehen Habitate und Reservate in einer wechselseitigen Beziehung. Schließlich sind Schutzzonen innerhalb von Lebensräumen notwendig, wann immer sich Bedrohung abzeichnet. Nicht nur Flora und Fauna sind darauf angewiesen, sondern – insbesondere in Krisenzeiten – auch Menschen. Und auch die Kunst benötigt geschützte Räume, in denen ihre freie Entfaltung sowie ihre öffentliche Sichtbarmachung gewährleistet wird. 

Zusammen mit Ihnen und Euch haben wir darüber nachgedacht, in welcher Beziehung Habitate und Reservate zueinander stehen und in welchen unterschiedlichen Formen und Kontexten sie uns begegnen. In Ausstellungen und Veranstaltungen wurden unterschiedliche Perspektiven auf das Thema entwickelt und zur Diskussion gestellt.

22.03. – 17.05.2025, Galerie im Stadtspeicher

Sahrah Feyerabend und David Frommhold präsentierten Fotografien und Installationen in der Galerie im Stadtspeicher. In Beziehungsgeflechten von Architektur/Natur, Gesellschaft/Individuum und Zeit/Erinnerung verwoben sich ihre künstlerischen Positionen. 

Sahrah Feyerabend (lebt und arbeitet in Weimar) geht dem Potenzial des Sammelns von Eindrücken, Erfahrungen, gelebter Zeit und Gegenständen nach. In Installationen, kollaborativen Projekten und Fotografien treffen Materialien wie Samen, Blätter und gesprochene/durchatmete Momente auf Dokumentationen, Objekte und Handlungsanweisungen der alltäglichen Umgebung.

David Frommhold (lebt und arbeitet in Weimar) verortet sich prozesshaft an den Unwahrscheinlichkeiten der Wirklichkeit in einer gelebten/belebten Umwelt. Mittels einer Symbiose von Fotografien, Skulpturen, multimedialen Installationen und Ausstellungen navigiert er durch die dynamische Struktur seines visuellen Archivs.


23.05. bis 12.07.2025, Frommannscher Garten der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Ausstellung blickte auf die Schnittstelle von Ökologie und Kunst. Die eingeladenen Künstlerinnen thematisieren den menschlichen Umgang mit Holz, dessen Verarbeitung in Köhlerei (Ulrike Mohr) und Holzbildhauerei (Mira Friedrich) sowie dessen ökologische Bedeutung im Kontext des Klimawandels. 

Mira Friedrich (lebt und arbeitet in Dresden) lässt ihre Faszination für die Komplexität und Vielfalt der Natur in Objekten aus natürlichen Materialien wie Lehm oder Holz erkennen. Ihre Skulpturen zeugen von Spuren menschlicher Bearbeitung und metaphorisieren den Lebenszyklus des Materials selbst. 

Ulrike Mohr (lebt und arbeitet in Berlin) transformiert organisches, pflanzliches Material durch den Prozess des Köhlerns zu Holzkohle. Ihre Skulpturen werden aus der Interaktion mit dem Garten heraus entstehen und klanglich wie visuell natürliche Zerfallsprozesse widerspiegeln.


25.07. bis 7.10.2025, Botanischer Garten der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Matthias Garff (lebt und arbeitet in Leipzig) präsentierte überlebensgroße Skulpturen invasiver und heimischer Tierarten, deren Körper aus Fundstücken und Alltagsgegenständen bestehen. Er wies damit auf die Bedeutung städtischer Naturräume als Rückzugsort vieler Lebewesen hin und thematisierte unseren Umgang mit natürlichen Ressourcen.


17.10. bis 6.12.2025, Galerie im Stadtspeicher

Daniel Homann (lebt und arbeitet in Leipzig) befragt in seiner Kunst das Medium der Malerei indem er es, im wörtlichen Sinne, beschreibt. Zugleich sind seine Werke kritische Auseinandersetzungen mit künstlerischen Lebenswelten: Malerische Selbstreflexionen und Statements zeichnen ein vielschichtiges Bild von Realitäten zwischen Prekariat, wirtschaftlichem Erfolg, Schaffensprozess und -krise.


Juli August 2025, Galerie im Stadtspeicher

Im Sommer wandelte sich die Galerie in eine künstlerische Produktionsstätte. Die Räume wurden für zwei Monate nach einem Call for Papers der Künstlerin Nadine Jacobi als Atelier zur Verfügung gestellt. Zu mehreren Terminen öffnete sich das Atelier für Interessierte und gewährte Einblicke in den künstlerischen Schaffensprozess.


13.–27.09.2025, Galerie im Stadtspeicher

Die Kunstfiguren aus dem Ed‘n Robot-Universum ermöglichten an der Schnittstelle von physisch-realem und virtuell-digitalem Raum ein interaktives Erlebnis: In der Ausstellung war das reale Objekt in Form von Papierskulpturen physisch präsent. Per Smartphone und Augmented Reality App konnten die Besucher:innen durch verschiedene Kurzfilme in die Ozeanwelt von Ed n’Robot eintauchen.

Thibault Joyeux (lebt und arbeitet in Jena) betreibt das Studio Ed’n Robot gemeinsam mit Julien Kadouri (lebt und arbeitet in Paris).


Am 22. Juni fand in Kooperation mit dem Glashaus im Paradies e.V. das Sommerfest der performativen Künste Kunst im Paradies mit Performances von Denise Blickhan, Cora Groos & Elena Mertens und Christoph Blankenburg statt.


Veranstaltungen ergänzten und erweiterten das Ausstellungsprogramm. Neben Vernissagen, Artist Talks und Rundgängen fanden Konzerte, Vorträge und Diskussionen zu verschiedenen Themen statt. Insgesamt fanden 42 Veranstaltungen statt.


Im Jahr 2025 gestaltete der Grafiker Peter Mühlfriedel die Ausstellungsplakate des Jenaer Kunstvereins.


Zu jeder Ausstellung haben in kurzen Videos die Künstler*innen in kurzen Statements bzw. Interviews Auskunft und Einblick in Ihr künstlerisches Schaffen und Denken gegeben.


Das Jahresprogramm 2025 „Habitate & Reservate“ wurde gefördert von JenaKultur, der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen und der Liebelt Stiftung, Hamburg

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