Tiefblaues Himmelgrün | Nicola Grabiele | Malerei & Installation

20. Januar bis 1. März 2018
Vernissage: Freitag | 19. Januar 2018 | 19 Uhr

Der Jenaer Kunstverein eröffnet das Ausstellungsjahr 2018 mit einer Präsentation von Arbeiten des Schweizer Künstlers Nicola Grabiele. Grabiele zeigt in Jena neueste Arbeiten, wobei er sich bewusst auf die besonderen Bedingungen der Ausstellungsräume im historischen Stadtspeicher einlässt. Neben Landschaften auf Leinwänden wird eine großformatige Bodenarbeit zu sehen sein.

Schon lange kreist Grabieles Werk um Erinnerungen und Sehnsüchte, um Vergangenes, um Verschüttetes, um die Heimat seiner Familie, die aus Kalabrien stammt. In Winterthur geboren und aufgewachsen, ist Süditalien für ihn eine zweite Heimat. Die Utopie dieses Ortes und das Heimweh dorthin sind das zentrale Thema seiner künstlerischen Suche.

Insbesondere Grabieles Landschaften, die er auf stille Horizonte konzentriert, haben ihren Ausgangspunkt in der Frage nach den eigenen Wurzeln. Hier dominieren Blautöne als physiologisch ebenso wie symbolisch wirksame Farbimpulse. Der bildnerische Prozess wird vom assoziativen Reagieren auf Eindrücke, Sinnesanregungen und Spuren über ein bedachtsames Überlagern von Schichten entwickelt. Diese Methode hat in der Poetik- und Ästhetikgeschichte eine lange Tradition und reicht zurück bis zur Romantik.

Die Bodenarbeit „Ruhe vor dem Sturm“ bewegt sich zwischen Malerei, Grafik und Installation und ist explizit für die Ausstellung in Jena entstanden. Auf 160 Bögen Aquarellpapier hat Nicola Grabiele an verschiedenen Orten – auch in Jena – Abdrücke von Erdoberflächen genommen. Rauhe Erde ist der Ausgangspunkt der abgebildeten Strukturen. Sie bleibt lesbar und präsent. Jede Region bildet Ihre eigene Charakteristik aus. Auf dem Boden ausgelegt lassen die Blätter in ihrer Gesamtheit ein großes Bild entstehen.

Wenn der Jenaer Kunstverein mit Nicola Grabiele einen aus der Schweiz stammenden Künstler in Jena vorstellt, greift er auf eine lange Beziehung zur Schweiz und ihrer Kunstgeschichte in der Moderne zurück. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts hatten Schweizer Wissenschaftler wie der Rechtshistoriker Hans Fehr oder der Philosoph Eberhard Grisebach sowie Künstler wie Emil Nolde oder Ferdinand Hodler einen bedeutenden Anteil an der Profilierung des Jenaer Kunstvereins zu einer Wirkungsstätte damals aktuellster Kunst. Auf Hodler bezog sich in den 1990-er Jahren der Schweizer Bildhauer und Objektkünstler Jürgen Brodwolf. Seine Werkgruppe „Die Nacht. Hodler-Zyklus“ hat der Jenaer Kunstverein im Jahr 1997 gezeigt. Daran anknüpfend soll mit der Ausstellung von Nicola Grabiele jetzt abermals der Blick auf die zeitgenössische Kunst der Schweiz und gerichtet werden.

Nicola Grabiele lebt und arbeitet in Winterthur, einer kleinen Großstadt, die wie Jena gegen Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts einen schwerwiegenden Transformationsprozess erlebte und sich heute (mit 16 Museen) unter anderem als kulturelles Zentrum versteht. Der Kunstverein möchte Grabiele auch zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch einladen, um einen Beitrag zu Diskussion über die Bedeutung von zeitgenössischer Kunst in der Gesellschaft, in Stadt und Region abseits der großen Metropolen zu leisten.

Ausstellungseröffnung:  Freitag, 19.01.2018, 19 Uhr

Zur Einführung spricht Amadeus Dorsch, Architekt, Winterthur/Schweiz.

Der Künstler ist anwesend.

Begleitveranstaltungen:

Führungen durch die Ausstellung:

Samstag, 27. Januar, 14 Uhr; Donnerstag, 15. Februar, 18 Uhr; Samstag, 24. Februar, 14 Uhr; sowie auf Anfrage

Podiumsdiskussion

„Stadtentwicklung Jenas im Spannungsfeld von Wirtschaft und Kultur“, u. a. mit Claudia Dathe (Kulturberatung bei der Bürgerstiftung Jena), Wilfried Röpke (Wirtschaftsförderung Jena), Jonas Zipf (Werkleiter JenaKultur) sowie einer/m Vertreter/in des Beirats Soziokultur: Donnerstag, 1. Februar, 19 Uhr

Finissage mit Künstlergespräch: Donnerstag, 1. März, 19 Uhr

   

Bilder von der Ausstellungseröffnung am 19.01.2018 (Fotos: Janka Burtzlaff):